Secondlife – Hype oder relevantes Werbeumfeld?

März 18, 2007 – 9:01 pm

Secondlife ist in den letzten Wochen immer häufiger in den Focus der Medien gelangt. In dieser virtuellen Welt spielt es keine Rolle, welche Ausbildung, welchen sozialen Stand einer User hat. In dieser Welt sind alle gleich, haben alle die gleichen Chancen und können sich ein ganz neues Leben aufbauen. Es scheint auf den ersten Blick wie das neue Paradies auf Erden. Berücksichtigt man die jüngste Entwicklung muss kritisch hinterfragt werden, ob secondlife nicht nur als ein Thema angesehen werden muss, was aktuell durch die Medien enorm gepusht wird.

In der Post-Web 2.0 Area genau das richtige Thema, um vielleicht einfach nur über neue kreative Ideen zu berichten. Das Menschen bereits Ihren realen Lebensunterhalt damit verdienen und Unternehmen nichts anderes machen als sich mit dem Seconslife zu beschäftigen, macht mir Sorge. In diesem Artikel möchte ich aber weniger auf mögliche Gefahren und Barrieren eingehen als vielmehr aufzeigen, ob Secondlife aktuell als Werbeplattform wirklich schon so attraktiv ist, wie häufig berichtet.

Auch wenn ich etwas skeptisch dem Thema gegenüberstehe, möchte ich es nicht (wie würden es die Bayern so schön formulieren?) einfach abwatschen.

Secondlife ist sicherlich ein Medium, was künftig seine Berechtigung im Internet haben wird. Große Unternehmen wie Adidas, IBM oder Hewlett Packard haben die virtuelle Welt auch bereits als Werbeplattform gefunden und möchten sich in der Welt als innovatives und modernes Unternehmen präsentieren. Ob Werbung im Secondlife aber wirklich so spannend ist, bleibt abzuwarten. Eine erste Ernüchterung gibt es direkt in Sachen Rechweite. Weltweit gibt es rund 3 Mio. Menschen, die sich dem Thema Secondlife widmen – wobei wohl nur ein Viertel aktiv in der Welt teilnehmen. Auch wenn das Wachstum derzeit rasant zu sein scheint, bleibt abtzuwarten, wie sich die Szene weiter entwickelt. Was passiert, wenn die Medien das Thema nicht mehr puschen, wenn neue, innovative Instrumente oder Palttformen aufkommen. Ein längerfristiger Lebenszyklus scheint mir nicht wirklich realistisch.

Aus Sicht mancher Unternehmen mag es auch nachvollziehbar sein, sich als innovatives und modernes Medium positionieren zu wollen. Dennoch bleibt die Frage, in wie weit der globale Werbemarkt an solch einer Platform interessiert ist. Überspitzt formuliert, welcher User wird in einer heilen Welt krank und benötigt beispielsweise die Dienste einer Krankenkasse? Das Forbewegungsmittel im secondlife ist das Fliegen – ist eine solche Plattform also für die Autoindustire eine adäquate Möglichkeit um sich dort zu präsentieren und wohlmöglich Autos zu verkaufen? Diese Liste könnte man sicherlich noch ohne Probleme fortführen. Das Kernproblem ist aus meiner Sicht nicht nur die Reichweite, sondern auch die Attraktivität für die Werbekunden. Vor allem Hersteller aus dem Bereich FMCG, Automobil sollten ihre Probleme mit dem Medium haben und wohl zu dem Entschluss kommen, dass sich im secondlife nicht unmittelbar Absatz generieren lässt. Sollte ein Unternehmen aus Imagegründen dort präsent sein wollen, kann man anderer Meinung sein. Ob einem die Brutto-Reichweite von 3 Mio. Users weltweit dafür ausreichend ist und es sich lohnt ,eigene Werbemittel (in 3-D) zu kreieren, möchte ich nicht beurteilen. Zumal die Netto-Reichweite, also die aktive Userschaft, bei unter 1 Mio. User sein sollte.

In einer aktuellen Studie der Hamburger Agentur Komjunti wird zudem deutlich, dass 72 Prozent der befragten Secondlife-Nutzer von den Firmenangeboten im Secondlife enttäuscht sind. Lediglich 7 Prozent können sich überhaupt vorstellen, dass diese Art Werbeumfeld einen positiven Einfluss auf das Image der Marke nimmt und ein Kaufverhalten auslöst. Aus der Studie geht weiterhin hervor, dass rund 42 Prozent die Werbung als eine Art Hype-Thema ansehen und nicht glauben, dass dies langfristig anhällt.

Allgemein bin ich aber der Auffassung, dass secondlife sehr überbewertet wird und aktuell durch die Berichterstattung in den Medien gepuscht wird. Die weitere Entwicklung und die noch aufkommenden Möglichkeiten sollte man dennoch sehr genau beobachten. Für die Werbeindustrie sehe ich das Thema secondlife aktuell als absolut nicht lohnenswert. Freue mich auf Kommentare oder andere Meinungen ….

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